← Zurück zum Blog
Grundlagen

Kaufpreisfaktor berechnen: Formel, Beispiel & Einordnung

14. August 20267 Min. LesezeitDr. Marcel Hofeditz

Der Kaufpreisfaktor ist die wohl meistgenutzte Kennzahl bei der ersten Bewertung einer Renditeimmobilie. Er verrät auf einen Blick, wie teuer ein Objekt im Verhältnis zu seinen Mieteinnahmen ist. Dieser Artikel zeigt, wie Sie den Kaufpreisfaktor berechnen, wie Sie ihn richtig einordnen und warum er allein für eine fundierte Investitionsentscheidung nicht ausreicht.

Kaufpreisfaktor berechnen: Die Formel

Der Kaufpreisfaktor – auch Vervielfältiger oder englisch Multiplier genannt – setzt den Kaufpreis einer Immobilie ins Verhältnis zur Jahresnettokaltmiete. Die Formel lautet:

Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahresnettokaltmiete

Die Jahresnettokaltmiete ist die Summe aller Kaltmieten eines Jahres, also ohne Betriebskosten und ohne umlagefähige Nebenkosten. Das Ergebnis gibt an, wie viele Jahresmieten der Käufer für die Immobilie bezahlt – und damit näherungsweise, nach wie vielen Jahren sich der Kaufpreis allein aus den Mieteinnahmen amortisiert hätte (ohne Berücksichtigung von Kosten, Steuern und Wertentwicklung).

Der Kaufpreisfaktor ist der Kehrwert der Bruttomietrendite: Ein Faktor von 25 entspricht einer Bruttorendite von 4 Prozent (1 ÷ 25), ein Faktor von 20 entspricht 5 Prozent.

Rechenbeispiel

Ein Mehrfamilienhaus kostet 2.000.000 Euro. Die zwölf Wohnungen erzielen zusammen 80.000 Euro Nettokaltmiete pro Jahr. Der Kaufpreisfaktor beträgt:

2.000.000 € ÷ 80.000 € = 25

Der Käufer zahlt also das 25-Fache der Jahresmiete. Die Bruttomietrendite liegt bei 4 Prozent. Steigt die Jahresmiete durch Mietanpassungen auf 90.000 Euro, sinkt der effektive Faktor bezogen auf den ursprünglichen Kaufpreis auf rund 22,2 – die Immobilie wird wirtschaftlich attraktiver.

Was ist ein guter Kaufpreisfaktor?

Einen pauschal "guten" Faktor gibt es nicht. Was angemessen ist, hängt maßgeblich von Lage, Assetklasse, Objektzustand und Zinsumfeld ab. Als grobe Orientierung gelten folgende Größenordnungen für Wohnimmobilien:

  • Top-Lagen in Metropolen (z. B. München, zentrale Lagen in Hamburg oder Berlin): häufig Faktoren von 28 bis 35 und mehr
  • Gute Lagen in Groß- und Mittelstädten: typischerweise 20 bis 27
  • Durchschnittliche bis periphere Lagen: oft 14 bis 20
  • Strukturschwache Regionen: teils unter 14

Die Logik dahinter: In gefragten Lagen akzeptieren Käufer höhere Faktoren, weil sie stabile Mieten, geringere Leerstandsrisiken und Wertsteigerungspotenzial erwarten. Ein niedriger Faktor bedeutet nicht automatisch ein Schnäppchen – er spiegelt häufig höhere Risiken wider.

Unterschiede nach Assetklasse

Der Kaufpreisfaktor variiert stark zwischen den Assetklassen. Gewerbeimmobilien werden meist mit deutlich niedrigeren Faktoren gehandelt als Wohnobjekte, weil Mietverträge auslaufen, Mieter ausfallen oder Flächen schwerer nachvermietbar sein können:

  • Wohnportfolios in guten Lagen: oft 20 bis 30 – mehr dazu auf der Landingpage Wohnportfolio
  • Büroimmobilien: abhängig von Mietvertragslaufzeit und Mieterbonität häufig 15 bis 25, siehe Büroimmobilien
  • Nahversorger und Fachmarktzentren: je nach Ankermieter und Restlaufzeit typischerweise 12 bis 18
  • Pflegeimmobilien: abhängig von Betreiberbonität und Pachtvertrag häufig 16 bis 22

Wer eine bestimmte Assetklasse fokussiert, sollte deren spezifische Faktorspannen kennen. Einen Überblick über Standorte und Nutzungsarten bietet die Seite Off-Market-Immobilien.

Warum der Kaufpreisfaktor allein nicht reicht

So praktisch die Kennzahl für einen schnellen ersten Eindruck ist – als alleinige Entscheidungsgrundlage taugt sie nicht. Der Faktor blendet zahlreiche wirtschaftlich entscheidende Faktoren aus.

Nettomiete ist nicht gleich Ertrag

Der Kaufpreisfaktor basiert auf der Bruttomiete. Nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten – Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfallwagnis – schmälern den tatsächlichen Ertrag erheblich. Zwei Objekte mit identischem Faktor können sich nach Abzug dieser Kosten stark unterscheiden. Aussagekräftiger ist deshalb die Nettomietrendite oder der Nettoanfangsrendite-Ansatz.

Erwerbsnebenkosten fehlen

Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklercourtage summieren sich je nach Bundesland auf rund 6 bis 12 Prozent des Kaufpreises. Der reine Kaufpreisfaktor berücksichtigt diese Kosten nicht, obwohl sie die effektive Rendite spürbar drücken.

Zustand, Mietpotenzial und Restlaufzeiten

Ein Objekt mit hohem Instandhaltungsstau kann trotz niedrigem Faktor teuer werden. Umgekehrt kann ein höherer Faktor gerechtfertigt sein, wenn die aktuellen Mieten deutlich unter dem Marktniveau liegen und Mietsteigerungspotenzial besteht. Bei Gewerbeobjekten sind Restlaufzeiten der Mietverträge (WALT) entscheidend.

Finanzierung und Zinsumfeld

Der Faktor sagt nichts über die Finanzierbarkeit aus. Steigende Zinsen verändern die Rechnung fundamental: Liegt der Fremdkapitalzins über der Bruttorendite, arbeitet der Hebel gegen den Investor. In einem veränderten Zinsumfeld müssen sich auch die als angemessen geltenden Faktoren anpassen.

So nutzen Sie den Kaufpreisfaktor richtig

Der Kaufpreisfaktor ist ein hervorragendes Vorauswahl-Instrument. Nutzen Sie ihn, um Objekte schnell zu screenen und Vergleichswerte zu bilden, aber treffen Sie keine Kaufentscheidung allein darauf. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen:

  • Faktor als Filter: Sortieren Sie Angebote grob nach Faktor im Verhältnis zur Lage.
  • Marktvergleich: Prüfen Sie, ob der Faktor zu vergleichbaren Transaktionen in der Region passt.
  • Tiefenprüfung: Rechnen Sie Nettorendite, Nebenkosten, Instandhaltung und Finanzierung durch.
  • Potenzialanalyse: Bewerten Sie Mietsteigerungs- und Wertentwicklungspotenzial.

Gerade im Off-Market-Segment, in dem Objekte diskret und ohne öffentliche Ausschreibung gehandelt werden, ist ein belastbarer Vergleichsmaßstab wichtig, weil vergleichbare Angebote nicht frei einsehbar sind. Wer wissen möchte, wie dieser Markt funktioniert, findet die Grundlagen im Beitrag Was sind Off-Market-Immobilien. Aktuelle Objekte lassen sich nach Registrierung auf der Plattform einsehen; einen ersten Eindruck geben die öffentlichen Deal-Teaser.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Kaufpreisfaktor einer Immobilie?

Teilen Sie den Kaufpreis durch die Jahresnettokaltmiete. Beispiel: 2.000.000 Euro Kaufpreis geteilt durch 80.000 Euro Jahresmiete ergibt einen Kaufpreisfaktor von 25. Das Ergebnis zeigt, wie viele Jahresmieten der Kaufpreis entspricht.

Was ist ein guter Kaufpreisfaktor?

Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht. In Top-Lagen von Metropolen sind Faktoren von 28 bis 35 üblich, in durchschnittlichen Lagen 14 bis 20. Ein niedriger Faktor bedeutet nicht automatisch ein gutes Geschäft, sondern spiegelt oft höhere Risiken wider.

Ist ein niedriger Kaufpreisfaktor immer besser?

Nein. Ein niedriger Faktor bedeutet zwar eine höhere Bruttorendite, geht aber häufig mit Standortrisiken, Leerstand, Instandhaltungsstau oder geringem Wertsteigerungspotenzial einher. Entscheidend ist die Gesamtbetrachtung inklusive Nettorendite und Nebenkosten.

Was ist der Unterschied zwischen Kaufpreisfaktor und Mietrendite?

Der Kaufpreisfaktor ist der Kehrwert der Bruttomietrendite. Ein Faktor von 20 entspricht 5 Prozent Bruttorendite, ein Faktor von 25 entspricht 4 Prozent. Die Nettomietrendite berücksichtigt zusätzlich Bewirtschaftungskosten und ist aussagekräftiger.

Der Kaufpreisfaktor liefert eine schnelle erste Orientierung – die eigentliche Entscheidung fällt in der Detailprüfung. Wenn Sie Zugang zu geprüften Off-Market-Objekten mit belastbaren Kennzahlen suchen, registrieren Sie sich auf Offmarketpool und sehen Sie sich die aktuellen Objekte an.

Offmarketpool ist der geschlossene Marktplatz für diskrete Off-Market-Immobilientransaktionen in Deutschland — verifizierte Investoren, NDA-geschützte Prozesse, kein öffentliches Listing.

Jetzt Zugang anfragen →