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Praxis

Due Diligence Immobilien: Die wichtigsten Prüfpunkte

1. September 20268 Min. LesezeitDr. Marcel Hofeditz

Der Kaufpreis ist verhandelt, die Absicht bekundet – und nun beginnt die eigentliche Arbeit. Die Due Diligence entscheidet darüber, ob eine Transaktion trägt oder ob sich hinter einer scheinbar attraktiven Immobilie versteckte Risiken verbergen. Dieser Artikel führt Sie strukturiert durch die wichtigsten Prüfpunkte und zeigt, worauf es in der Praxis wirklich ankommt.

Was bedeutet Due Diligence bei Immobilien?

Die Due Diligence Immobilien beschreibt die sorgfältige Prüfung eines Objekts vor dem Kauf – rechtlich, technisch und wirtschaftlich. Ziel ist es, alle wertrelevanten Chancen und Risiken transparent zu machen, bevor der notarielle Kaufvertrag unterzeichnet wird. Der englische Begriff bedeutet sinngemäß "gebotene Sorgfalt" und stammt aus dem angelsächsischen Transaktionsrecht.

Gerade bei diskreten Off-Market-Immobilien hat die Due Diligence besonderes Gewicht: Anders als bei breit vermarkteten Objekten liegt oft kein vollständig aufbereitetes Exposé vor. Der Käufer muss die Informationsgrundlage selbst erarbeiten – und genau darin liegt sowohl das Risiko als auch die Renditechance.

Üblicherweise wird die Due Diligence in drei Teilbereiche gegliedert, die parallel bearbeitet werden. Für größere Transaktionen empfiehlt sich zusätzlich eine steuerliche (Tax) und eine ESG-Prüfung.

Rechtliche Due Diligence: Eigentum, Lasten, Verträge

Die Legal Due Diligence klärt, ob der Verkäufer überhaupt verkaufen darf und in welchem rechtlichen Zustand sich das Objekt befindet. Zentrale Prüfpunkte sind:

  • Grundbuch: Eigentümerstellung, Abteilung II (Dienstbarkeiten, Wegerechte, Nießbrauch, Vorkaufsrechte) und Abteilung III (Grundschulden, Hypotheken)
  • Baulasten und öffentlich-rechtliche Verpflichtungen, die nicht im Grundbuch stehen
  • Miet- und Pachtverträge: Laufzeiten, Indexierung, Sonderkündigungsrechte, Konkurrenzschutzklauseln
  • Bestehende Dienstleistungs- und Verwalterverträge, die mit übergehen können
  • Erschließung und Baurecht: Bebaubarkeit, Baugenehmigungen, Nutzungsänderungen, Denkmalschutz
  • Laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten

Ein häufig unterschätzter Punkt ist die Prüfung der Mietverträge im Gewerbebereich. Eine unwirksame Schriftformklausel kann einen vermeintlich langfristigen Vertrag vorzeitig kündbar machen – mit unmittelbarer Auswirkung auf den Objektwert. Rechtliche Fragen dieser Art gehören zwingend in die Hände einer spezialisierten Kanzlei; dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

Technische Due Diligence: Bausubstanz und Instandhaltung

Die Technical Due Diligence bewertet den baulichen Zustand und den absehbaren Investitionsbedarf. Hier verschieben sich Renditerechnungen am schnellsten, denn technische Mängel schlagen unmittelbar auf den Cashflow durch. Wesentliche Punkte:

  • Baujahr, Bauweise und Zustand von Dach, Fassade und Tragwerk
  • Technische Gebäudeausrüstung (Heizung, Lüftung, Aufzüge, Elektrik) und deren Restnutzungsdauer
  • Instandhaltungsstau und geplante Capex-Maßnahmen der nächsten fünf bis zehn Jahre
  • Altlasten und Kontaminationen, insbesondere bei Light-Industrial- und Logistikimmobilien
  • Schadstoffe wie Asbest oder alte Mineralfaserdämmungen bei Bestandsobjekten
  • Energetischer Zustand und Sanierungsbedarf im Hinblick auf regulatorische Anforderungen

Die ESG-Konformität rückt zunehmend in den Vordergrund: Ein energetisch schlecht aufgestelltes Gebäude kann faktisch zum "Stranded Asset" werden, wenn künftige Anforderungen kostspielige Nachrüstungen erzwingen. Eine realistische Einschätzung des Sanierungspfades gehört daher heute in jede technische Prüfung.

Wirtschaftliche Due Diligence: Zahlen, die tragen müssen

Die Financial Due Diligence prüft, ob die wirtschaftlichen Annahmen des Kaufpreises belastbar sind. Im Kern geht es um die Frage: Verdient das Objekt, was das Exposé verspricht?

Ertrags- und Kostenanalyse

  • Ist-Mieten versus Marktmieten: Bestehen Über- oder Untervermietungen?
  • Leerstandsquote und Vermietbarkeit freier Flächen
  • Mieterbonität und Klumpenrisiken bei wenigen großen Ankermietern
  • Nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten
  • WALT (gewichtete durchschnittliche Restmietlaufzeit) als Stabilitätsindikator

Bewertung und Rendite

Aus den bereinigten Zahlen ergibt sich die tatsächliche Nettoanfangsrendite. Als Faustregel gilt: Je diskreter und komplexer eine Transaktion, desto größer die Diskrepanz zwischen präsentierten und geprüften Zahlen. Für institutionelle Investoren und Family Offices ist die wirtschaftliche Prüfung deshalb der Kernbaustein der Ankaufsentscheidung.

Typische Deal-Breaker in der Praxis

Nicht jeder Mangel beendet eine Transaktion – viele lassen sich über Kaufpreisabschläge oder Garantien im Vertrag abbilden. Einige Befunde sind jedoch häufig echte Deal-Breaker:

  • Ungeklärte Altlasten mit unkalkulierbarem Sanierungsrisiko
  • Fehlende oder abweichende Baugenehmigungen ("Schwarzbauten")
  • Massiver, bislang verschwiegener Instandhaltungsstau
  • Rechtlich angreifbare Mietverträge bei kurz vor Auslauf stehendem WALT
  • Eingetragene Rechte Dritter, die die geplante Nutzung verhindern
  • Diskrepanzen zwischen zugesicherten und tatsächlichen Mieteinnahmen

Entscheidend ist nicht der einzelne Befund, sondern seine Wirkung auf das Investmentziel. Ein Instandhaltungsstau ist für einen Projektentwickler mit Repositionierungsstrategie oft kalkulierbar, für einen renditeorientierten Bestandshalter hingegen ein Ausschlusskriterium.

Datenraum-Praxis: strukturiert prüfen

Die Qualität einer Due Diligence steht und fällt mit der Qualität der Datengrundlage. In professionellen Transaktionen stellt der Verkäufer die relevanten Unterlagen in einem virtuellen Datenraum bereit – strukturiert nach den genannten Prüfbereichen, mit Zugriffsprotokollen und definierten Berechtigungen.

Bewährt hat sich in der Praxis:

  • Vollständigkeitsindex zu Beginn: Welche Dokumente fehlen, sind oft aussagekräftiger als die vorhandenen
  • Q&A-Prozess: strukturierte Rückfragen an den Verkäufer, dokumentiert und nachvollziehbar
  • Red-Flag-Report vor der Detailprüfung: Frühzeitiges Sichten kritischer Punkte spart Kosten, wenn sich ein K.-o.-Kriterium abzeichnet
  • Klare Fristen, um die Exklusivitätsphase nicht zu überdehnen

Gerade bei Off-Market-Transaktionen ist Vertraulichkeit im Datenraum essenziell. Verkäufer geben sensible Objektdaten nur an geprüfte, ernsthafte Interessenten heraus. Auf Offmarketpool sind Käufer und Verkäufer vorab verifiziert, was den Zugang zu belastbaren Unterlagen und eine zügige, diskrete Prüfung erleichtert.

Fazit: Due Diligence als Renditehebel

Eine gründliche Due Diligence ist kein bürokratischer Pflichtteil, sondern ein aktiver Wertschutz- und Verhandlungshebel. Wer rechtliche, technische und wirtschaftliche Prüfung sauber orchestriert, erkennt Risiken früh, verhandelt Kaufpreis und Garantien fundiert – und vermeidet teure Überraschungen nach Vertragsschluss. Einen ersten Eindruck geprüfter Angebote erhalten Sie über die aktuellen Off-Market-Objekte.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Due Diligence bei Immobilien?

Die Dauer hängt von Objektgröße und Komplexität ab. Bei einer einzelnen Bestandsimmobilie sind wenige Wochen üblich, bei größeren Portfolios oder komplexen Gewerbeobjekten können mehrere Monate anfallen. Ein gut strukturierter Datenraum verkürzt den Prozess erheblich.

Welche Unterlagen gehören in den Datenraum?

Grundbuchauszug, Flurkarte, Baugenehmigungen, Miet- und Verwalterverträge, Nebenkostenabrechnungen, Flächenaufstellungen, Instandhaltungsdokumentation, Energieausweis sowie relevante Gutachten. Fehlende Unterlagen sollten stets aktiv erfragt werden.

Was sind die häufigsten Deal-Breaker?

Zu den häufigsten Ausschlusskriterien zählen ungeklärte Altlasten, fehlende Baugenehmigungen, rechtlich angreifbare Mietverträge, massiver Instandhaltungsstau und wesentliche Abweichungen zwischen zugesicherten und tatsächlichen Mieteinnahmen.

Brauche ich für die Due Diligence externe Berater?

Bei relevanten Transaktionsvolumina ist der Einsatz spezialisierter Anwälte, Bausachverständiger und Steuerberater dringend zu empfehlen. Rechtliche und steuerliche Fragen erfordern professionelle Beratung, die dieser Artikel nicht ersetzt.

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